

Herbertstraße - Geschichte einer Domina
Rotlichtmilieu
S1 • E2 Nov 3, 2025 47m
"Jede Prostituierte in der Herbertstraße hat eine Geschichte, die sie dahin gebracht hat", so das Resümee von Manuela Freitag heute. Ein Teil ihrer Geschichte ist die Suche nach ihrer Mutter. Immer wieder trampt sie damals von Bremen nach Hamburg, durchstreift den Kiez, fragt nach bei Prostituierten - vergeblich. Sie schläft bei Fremden und in Hauseingängen, wird mehrmals von der Polizei aufgegriffen und zurückgeschickt. Erst als sie das Telefonbuch nach ihrem Nachnamen durchforstet und tagelang alle "Freitags" abtelefoniert, wird sie fündig. Es gibt einen Großvater und endlich ein Foto ihrer Mutter. Doch die ist mittlerweile tot. Bremen, Ende der 1970er Jahre. Manuela, noch minderjährig, geht anschaffen und glaubt sich bei einem Zuhälter sicher vor dem Zugriff von Polizei und Jugendamt. Ein fataler Fehler - der Mann sperrt sie ein, ist ein Schläger und Vergewaltiger und einer, der gestrandete Mädchen wie sie ausbeutet. Erst der 18. Geburtstag bringt Manuela scheinbar "Freiheit". Ihr Ziel: Hamburg, die Reeperbahn. "Club Sheila" und "Club 88" sind die angesagten Diskos, hier verkehren viele Zuhälter. "Sie sahen gut aus, trugen lange Haare, waren schick angezogen, eben Hingucker", erinnert sich Esther Lindemann, damals Revierpolizistin auf St. Pauli. Die Schönlinge waren Meister im Anbaggern und Vortäuschen von Liebe. Doch wer in die Honigfalle tappte, entkam den Zuhältern kaum: "Man darf seinen Luden nicht verraten", so das Gesetz im Milieu, wer dagegen verstieß, bekam eine brutale Seite der Machos zu spüren. Nicht selten retteten sich verprügelte Frauen aufs Revier von Esther Lindemann. Manuela dagegen konnte sich mit ihrem Zuhälter einigen. 10.000 Mark "Abstecke" war der Preis für ihre Unabhängigkeit, sie arbeitet fortan in die eigene Tasche. Bis sie einen Entschluss fasst. Ein normales Leben führen, aussteigen, nicht mehr anschaffen gehen. Sie bewirbt sich auf einen Aushang: "Putzhilfe gesucht".