

Herbertstraße - Geschichte einer Domina
Reifeprüfung
S1 • E3 Nov 3, 2025 45m
"Ich war pflastermüde, wollte mal was anderes machen", doch Manuelas Vorsätze für ein normales Leben halten nicht lange. Den Putzjob schmeißt sie hin, landet wieder auf der Straße. Doch der Kiez hat sich verändert: "Es kam die furchtbare Krankheit Aids, die Freier hatten Angst, sich anzustecken", erklärt die ehemalige Revierpolizistin Esther Lindemann. Das Geschäft mit dem Sexkauf bricht ein. Die Zuhälter suchen nach einem zusätzlichen Einkommen. Kokain, "die weiße Dame", erobert die Straße. Mit den Drogen eskaliert die Gewalt auf dem Kiez. "Wenn es Schwierigkeiten gab, wurde das leider nicht mehr per Boxkampf geregelt", erzählt Lindemann. Es kam zu Schießereien und Toten auf St. Pauli. Auch Manu greift damals zum weißen Pulver, "lässt im Kopf die Lampen angehen", wie sie zurückblickend sagt. Ihre Arbeitssituation hat sich massiv verbessert: Ein eigenes Schaufenster in der Herbertstraße ist für sie ein "Sechser im Lotto". Sie legt sich ein neues Image zu, wird Domina. "Prostitution ist für mich ein Beruf wie jeder andere", sagt Manu heute, "ich arbeite freiwillig". Doch wie freiwillig kann Prostitution sein? Das fragt Huschke Mau, Aktivistin und Befürworterin des "nordischen Modells". In Schweden ist nicht die Prostitution verboten, sondern der Sexkauf. Dieser sei ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde, so die Argumentation. Bestraft werden in Schweden nur die Profiteure der Prostitution: Freier, Zuhälter, Bordellbetreiber. Die Sexarbeiterinnen dagegen bleiben straffrei. In Deutschland ist Prostitution grundsätzlich legal, solange sie freiwillig von volljährigen Personen ausgeübt wird. Seit 2017 regelt das Prostituiertenschutzgesetz die Rechte und Pflichten von Prostituierten und Bordellbetreibern. Damit, so die Kritik von Huschke Mau, werden "Bordellbesuche als normaler Teil männlicher Sexualität akzeptiert, was Frauen zu käuflichen Objekten degradiert". Im Hamburg der 1990er-Jahre kann sich Manu einen sehnlichen Wunsch erfüllen. Sie findet einen Partner, wird Mutter eines Sohns. Die Beziehung scheitert. Als das Kind vier ist, setzt sie den Vater vor die Tür, zieht den Kleinen alleine groß. Ihr Sohn ist ihr ganzer Stolz. "Meine Kindheit war ein Kampf", sagt Manu, "hätte ich Vertrauen gehabt zu jemand, der hätte mich an der Hand genommen - und ich wäre jetzt Ärztin oder Richterin oder was auch immer, dann wäre ich das. Aber ich bin nun mal eine Prostituierte."